– Daniel Hoffmann, das gehört in ein Restaurant. Fünfundfünfzig Leute zu Hause, das ist unmöglich.

– Katharina Berger, Vater will es eben zu Hause.

– Dein Vater will, dass ich drei Tage kostenlos am Herd stehe.

Daniel Hoffmann seufzte und rieb sich wieder den Nacken.

Ich rief fünf Restaurants an. Schließlich fand ich einen passenden Saal: Platz für sechzig Personen, Menü für 76 Euro pro Gast. Zusammen 4.180 Euro. Dekoration und Musik noch einmal 320 Euro. Insgesamt 4.500 Euro.

Mit dieser Rechnung ging ich zu Lukas Weber. Ich zeigte ihm die Speisekarte, den Saal, die Fotos.

– Schön, – sagte er. – Teuer.

– So ein Jubiläum feiert man nur einmal.

Fünfundsechzig.

Er sah mich an, als hätte ich gerade etwas Unverschämtes verlangt.

– Natürlich. Hauptsache, du musst dich nicht an den Herd stellen. Die Arbeit anderen zuschieben, das konntest du schon immer.

Ich sagte nichts darauf. Ich zahlte einfach.

Daniel Hoffmann und ich teilten den Betrag auf: 2.000 Euro gingen von meinem Konto ab, 1.500 von seinem. Lukas Weber gab 1.000 Euro dazu. Genau 1.000. Für seinen eigenen fünfundsechzigsten Geburtstag.

Die Überweisungsbestätigung speicherte ich mir ab. 2.000 Euro. 20. März, 14:07 Uhr. Empfänger: Restaurant „Birkenhain“.

Drei Tage vor der Feier rief Julia Neumann an.

– Katharina, Papa macht sich große Sorgen. Du hast ihn mit diesem Restaurant wirklich verletzt.

– Womit genau?

– Er wollte es familiär haben. Zu Hause. Und du buchst einen Saal. Als wärst du zu bequem.

Ich stand in der Küche. Mia Schneider saß am Tisch über ihren Hausaufgaben und kaute auf dem Ende ihres Bleistifts.

– Julia, es kommen fünfundfünfzig Leute. Ich arbeite fünf Tage in der Woche. Wann soll ich das alles kochen?

– Ich hätte dir doch helfen können.

In vierzehn Jahren hatte Julia nicht ein einziges Mal angeboten, mir zu helfen. Nicht beim Essen, nicht mit den Kindern, nicht bei irgendetwas. Kein einziges Mal.

– Das Restaurant ist bezahlt, – sagte ich. – Wir sehen uns am Samstag.

Ich legte auf. Mia hob den Kopf von ihrem Heft.

– Mama, warum ist Tante Julia so böse?

– Sie ist nicht böse, Mia. Sie macht sich nur Sorgen um Opa.

– Ach so, – sagte Mia und beugte sich wieder über ihre Rechenaufgaben.

Ich steckte das Handy weg. In mir war es leer und still, so wie im Labor nach fünf Uhr, wenn alle gegangen sind und nur noch die Lüftung leise brummt.

Samstag. Zwölfter April. Restaurant „Birkenhain“.

Der Saal war wirklich schön: große Panoramafenster, dahinter helle Birkenstämme, weiße Tischdecken, ordentlich gedecktes Besteck. Ich kam zwei Stunden vor Beginn, um die Tische, die Sitzordnung und das Menü noch einmal zu kontrollieren. Die Restaurantleiterin fragte: „Sie gehören zu Herrn Weber?“ Ich nickte. Sie machte einen Haken auf ihrer Liste.

Gegen sechs trafen die Gäste ein. Kollegen von Lukas aus dem Baugeschäft, Nachbarn, alte Bekannte: laute Männer in Sakkos, ihre Frauen mit frisch gelegten Frisuren. Verwandtschaft kam auch. Ein Cousin aus Augsburg, eine Tante ebenfalls aus Augsburg. Julia erschien in einem blauen Kleid, mit tropfenförmigen Ohrringen. Daniel trug einen neuen Anzug. Das Hemd hatte ich für ihn ausgesucht, bemerkt hatte er es nicht einmal.