Ihr perfektes Brautlächeln geriet ins Wanken.

Alexander stand neben ihr in einem maßgeschneiderten schwarzen Smoking. Er folgte Lauras Blick, entdeckte Hannah und runzelte leicht die Stirn.

Dann erkannte er Lukas.

Flecken stiegen in sein Gesicht, bevor er plötzlich blass wurde.

Hannah beobachtete es mit stiller Genugtuung.

Alexander eilte die Stufen viel zu schnell hinunter und zog Laura dabei beinahe hinter sich her.

— Hannah, — sagte er und versuchte, seiner Stimme Wärme zu verleihen. — Du bist also doch gekommen.

— Ich wurde eingeladen.

Seine Augen zuckten immer wieder nervös zu Lukas hinüber.

— Señor Alcázar. Ich wusste nicht, dass Sie uns mit Ihrer Anwesenheit beehren würden.

— Ja, — sagte Lukas. — Das kann ich mir vorstellen.

Laura fasste sich schneller als Alexander. Sie trat näher, um Hannah auf die Wange zu küssen. Sie roch nach Rosen und Triumph.

— Schwester, — sagte sie leise. — Du siehst … anders aus.

Hannah lächelte.

— Du auch. Weiß ist eine mutige Wahl.

Lauras Augen verengten sich.

Alexander räusperte sich.

— Nun, wir freuen uns, dass du hier bist. Wirklich. Es bedeutet uns sehr viel, dass zwischen uns kein Groll steht.

Hannah sah ihn an.

Er besaß tatsächlich die Dreistigkeit, so zu lächeln, als hätte er ihr einen Gefallen getan und ihr ihre Würde zurückgegeben, nachdem er sie öffentlich durch eine andere ersetzt hatte.

— Kein Groll, — bestätigte sie. — Nur Klarheit.

Lukas’ Mundwinkel zuckten kaum wahrnehmbar.

Bevor Alexander etwas erwidern konnte, näherte sich eine Gruppe von Geschäftsleuten, die offensichtlich darauf brannten, Lukas zu begrüßen. Das Gespräch verlagerte sich schlagartig. Männer, die Hannah bei früheren Familienfeiern kaum eines Blickes gewürdigt hatten, neigten nun vor ihr die Köpfe, als stünde sie vor einer Tür, hinter der ein Vermögen verborgen lag.

— Señor Alcázar, wir wussten gar nicht, dass Sie im Hause Salgado verkehren.

— Hannah und ich sind einander nähergekommen, — sagte Lukas.

Das Wort „näher“ verbreitete sich im Hof schneller als der Champagner.

Laura hörte es.

Alexander ebenfalls.

Und auch Doña Maria bekam jedes einzelne Wort mit.

in deren Blick Hannah beinahe das hektische Klappern eines inneren Rechners hören konnte.

Die Trauung begann, als die Sonne hinter den Mauern des Anwesens versank.

Hannah saß in der zweiten Reihe. Genau dort hatte ihre Mutter sie platziert: neben einem leeren Stuhl, dessen bloße Abwesenheit ihre Einsamkeit wie ein Schild zur Schau stellen sollte.

Lukas setzte sich auf diesen Platz, als hätte man ihm einen Thron freigehalten.

Als Laura zum Altar schritt, wandten sich alle Gäste um, um sie zu bewundern. Doch viele Blicke glitten immer wieder zurück zu Hannah.

Laura bemerkte es. Ihr Lächeln spannte sich noch fester über ihr Gesicht.

Alexander stand am Altar und wirkte nicht glücklich, sondern verunsichert. Immer wieder warf er kurze Blicke zu Lukas, der die Zeremonie mit einer Ruhe verfolgte, die beinahe unverschämt wirkte.

Als der Priester schließlich fragte, ob jemand Einwände gegen diese Verbindung habe, spürte Hannah, wie sich jeder einzelne Muskel in ihrem Körper verhärtete.