Der schwarze Wagen glitt vor den Eingang und hielt.
Der Fahrer öffnete die Tür.
Hannah stieg als Erste aus.
Eine Sekunde lang bemerkte niemand etwas.
Dann drehte sich eine Frau um.
Dann eine zweite.
Und das Flüstern begann.
Hannah ging langsam voran. Der smaragdgrüne Satin fing das goldene Licht der sinkenden Sonne ein. Ihr Haar war zurückgenommen und ließ ihr Gesicht frei. Die Diamanten, die Lukas’ Juwelier ihr geliehen hatte, funkelten an ihren Ohren wie kleine, glänzende Racheakte.
Sie senkte den Blick nicht.
Sie beeilte sich nicht.
Und sie lächelte nicht, nur damit andere sich behaglicher fühlten.
Am Rand des Hofes erstarrte ihre Cousine Clara mit einem Champagnerglas unmittelbar vor den Lippen.
— Hannah? — flüsterte sie.
Als Nächste sah Doña Maria sie.
Auf dem Gesicht ihrer Mutter wechselten drei Gefühle so rasch einander ab, dass Hannah beinahe gelacht hätte: Erleichterung, Schock und Ärger.
Denn Hannah sah nicht besiegt aus.
Sie sah aus wie jemand, den man unmöglich übersehen konnte.
Dann stieg Lukas Alcázar hinter ihr aus dem Wagen.
Die Atmosphäre im Hof veränderte sich augenblicklich.
Es geschah unauffällig, aber unmissverständlich.
Männer richteten sich auf. Frauen wandten sich mit dem ganzen Körper um. Ein Kellner hätte beinahe sein Tablett fallen lassen. Irgendwo beim Brunnen brach Alexanders Vater mitten im Satz ab.
Lukas trat zu Hannah und bot ihr seinen Arm an.
Sie nahm ihn.
Das Flüstern schwoll zu einem Summen reinen Unglaubens an.
— Ist das etwa …?
— Lukas Alcázar?
— Mit Hannah?
— Das kann nicht sein.
Hannah spürte, wie seine Hand sich leicht über ihre Finger legte, die auf seinem Ärmel ruhten.
— Atmen Sie, — murmelte er.
— Ich atme.
— Sie brechen mir gleich den Arm.
Sie lockerte ihren Griff.
— Entschuldigung.
— Nicht nötig. Das ist die ehrlichste Begrüßung, die ich diese Woche bekommen habe.
Beinahe hätte sie gelächelt.
Gemeinsam durchquerten sie den Innenhof.
Doña Maria eilte ihnen entgegen; die Perlen an ihrem Hals zitterten bei jedem hastigen Schritt.
— Hannah, — sagte sie und küsste die Luft neben der Wange ihrer Tochter. — Du bist gekommen.
— Du hast mich doch darum gebeten.
Der Blick ihrer Mutter sprang zu Lukas.
— Und du hast … jemanden mitgebracht?
Hannah ließ eine Pause entstehen — genau lang genug, um Wirkung zu haben.
— Meine Begleitung. Lukas Alcázar.
Lukas neigte den Kopf.
— Doña Maria.
Ihre Mutter errötete vor nervöser Freude.
— Señor Alcázar, was für eine Ehre. Wir wussten gar nicht, dass Sie mit unserer Familie bekannt sind.
— Ich bin mit Hannah bekannt.
Er sagte es vollkommen ruhig.
Und doch klang es wie eine Ohrfeige.
Doña Maria zwang sich zu einem Lächeln.
— Natürlich, natürlich. Nun, seien Sie herzlich willkommen.
Auf der anderen Seite des Hofes, oben auf einer steinernen Treppe, erschien Laura.
Die Braut.
Sie trug weiße Spitze, einen Schleier mit langer Schleppe und den Gesichtsausdruck einer Frau, die es gewohnt war, überall der Mittelpunkt zu sein.
Bis sie Hannah sah.
Für einen einzigen Augenblick erstarrte Lauras Gesicht vollständig.
Dann glitt ihr Blick zu Lukas.