— Jonas holen wir, wie besprochen, — sagte er, ohne sich umzudrehen. — Aber nur ihn. Und Hannah kannst du ausrichten: Wenn es um ihre Kinder mit Benedikt Wolf geht, dann soll sie das mit Benedikt klären.
Maria Winter riss ihre Tasche an sich. Der Ring an ihrer Hand wirkte plötzlich nicht mehr wie ein Zeichen von Autorität, sondern nur noch wie ein Stück Metall mit einem dunklen Stein darin.
— Mich sieht hier niemand wieder! — schleuderte sie ihnen von der Tür aus entgegen.
— Der Zug fährt um siebzehn Uhr vierzig, — erwiderte Emilia ruhig. — Verpassen Sie ihn nicht.
Zwei Wochen später erfuhr Emilia von Josefine Bergmann, der Besitzerin des Ferienhauses, wie die Sache weitergegangen war. Josefine war mit Hannah Hermanns Nachbarin aus dem Haus befreundet; deren eigenes Wochenendgrundstück lag nur zwei Parzellen entfernt.
Hannah hatte offenbar fest mit dem Haus gerechnet. Benedikt Wolf hatte sie bereits erzählt, die Kinder seien für den Sommer untergebracht, und sie beide könnten endlich ein paar Tage ans Meer fahren. Als der Plan platzte, begriff Benedikt, dass seine Frau seine Söhne fremden Leuten auf fremde Kosten aufdrücken wollte. Danach gab es bei ihnen zu Hause ein Gespräch, das wohl kaum leise verlaufen war. Ans Meer fuhren sie am Ende trotzdem — allerdings mit den Kindern.
Maria Winter nahm die Niederlage tödlich übel. Sie rief Alexander an, um sich über diese „Schlange“ zu beklagen, doch er würgte solche Gespräche jedes Mal ab. Anfang Juli kam Jonas. Er schlief mit Finn im Kinderzimmer, auf dem zweiten Bett, das Emilia selbst gekauft hatte. Nach einer Woche waren die beiden Jungen unzertrennlich: Sie rasten mit den Fahrrädern über die Wege und fingen Kaulquappen in alten Einmachgläsern.
Alexander fuhr nun ohne Erinnerung einkaufen. Und die Miete für August überwies er vollständig von seiner eigenen Karte.
An einem Samstag wischte Emilia die Veranda fertig, wrang den Lappen aus und schob den Eimer unter die Bank. Den Mietvertrag legte sie zurück in die Mappe, die Mappe in die unterste Kommodenschublade — und schloss ab. Man konnte ja nie wissen, wer als Nächstes auf die Idee kam, fremde Teller zu zählen.