— Na also!
— Die Kinder von Benedikt Wolf sind fünf und sieben. Für ihren Unterhalt sind rechtlich ihre Eltern verantwortlich: Hannah Hermann und Benedikt Wolf. Nicht Alexander. Und auch nicht ich. Diese Kinder haben zwei lebende Eltern, und beide haben Pflichten.
— Sie kommen doch nur zu Besuch!
— Drei Monate lang Besuch? — Emilia tippte auf den Bildschirm. — Rechnen wir. Das Feriengrundstück kostet für die Saison rund vierhundert Euro, bezahlt aus meinem Gehalt. Lebensmittel für zwei Erwachsene und zwei Kinder liegen bei ungefähr fünfhundert Euro im Monat. Wenn noch drei Kinder dazukommen, sind das mindestens dreihundertfünfzig Euro zusätzlich pro Monat. Über den Sommer also gut eintausendfünfzig Euro obendrauf.
Maria Winter schwieg.
— Wer übernimmt diese Summe, Maria Winter? Beteiligt sich Hannah Hermann daran? Überweist Benedikt Wolf Geld für seine Kinder?
— Also… ihr seid doch verwandt…
— Benedikt Wolf ist mit seinen Kindern verwandt. Dann soll er sie bitte auf sein eigenes Grundstück mitnehmen. Und Hannah Hermann kann sich bei sich zu Hause erholen.
— Wie kannst du es wagen! — Maria Winter richtete sich halb vom Stuhl auf. — Ich bin seine Mutter! Ich habe Alexander ganz allein großgezogen! Und du sitzt hier und zählst jeden Cent!
— Ja, ich rechne, — bestätigte Emilia ohne die Stimme zu heben. — Das ist mein Beruf. Und dabei ist mir aufgefallen, dass Sie auf meine vierhundert Euro und auf meinen Rücken ein kostenloses Ferienheim für Hannah Hermanns Kinder einrichten wollen. Während mein Sohn, der seit sechs Jahren jeden Sommer dort ist, zur Großmutter abgeschoben werden soll, damit er nicht stört.
Emilia zog die Mappe zu sich heran, schlug sie auf und nahm den Mietvertrag heraus.
— Hier steht alles, — sagte sie und legte das Blatt auf den Tisch. — Mieterin bin ich. Nur ich. Alexander taucht in diesem Vertrag nicht auf. Wer dieses Grundstück betritt und wer nicht, entscheide also ebenfalls ich.
Maria Winter streckte die Hand nach dem Papier aus, berührte es aber nicht. Ihre Finger mit dem goldenen Ring verharrten einen Moment in der Luft, dann sank die Hand langsam zurück auf ihren Schoß.
— Alexander, — wandte sie sich scharf an ihren Sohn. — Hörst du eigentlich, was deine Frau sich hier erlaubt? Sag doch endlich etwas!
Alexander sah zuerst seine Mutter an, dann Emilia. Sein Blick glitt weiter zum Taschenrechner und schließlich zu dem Vertrag, auf dem tatsächlich nur ein einziger Nachname stand. Nicht seiner.
— Mama, — brachte er nach einer Pause hervor. — Warum hat Hannah eigentlich nicht selbst angerufen? Warum läuft das alles immer über dich?
— Alexander!
— Nein, wirklich, warum soll Hannahs Sommer auf Emilias Kosten stattfinden? — fragte er, als erschrecke er selbst über seine eigenen Worte. — Und Finn wegzuschicken, damit Platz ist… Das ist einfach zu viel, Mama.
Maria Winter öffnete den Mund. Doch diesmal kam kein Wort heraus. Sie schloss ihn wieder und starrte ihren Sohn an, als sähe sie ihn zum ersten Mal.
Alexander stand auf, ging in die Küche und begann schweigend, die mitgebrachten Gläser seiner Mutter wieder in die Tasche zu räumen. Er bewegte sich hastig, fast verbissen, als wollte er in wenigen Minuten gutmachen, was er jahrelang nicht gesehen hatte.