„Das geht so nicht. Er hat völlig falsch bestellt.“
Ich saß an meinem kleinen Tisch und arbeitete meine E-Mails durch.
„Hannah, komm doch bitte mal her“, sagte sie nun deutlich sanfter. „Du weißt einfach besser, wo man was bestellen muss.“
„Ich weiß, wo meine Bankkarte ist“, erwiderte ich. „Alles andere organisiert ihr ab jetzt selbst.“
Am Abend tauchte Lena Köhler auf. Natürlich ohne eine einzige Tüte in der Hand. Kaum fünf Minuten nach ihrer Ankunft steckte sie den Kopf in die Küche und wollte wissen, warum der Tisch so leer aussah. Elisabeth Winter erklärte, heute gebe es eben etwas Einfacheres. Lukas setzte scharf nach:
„Weil ich die Lebensmittel jetzt bezahle.“
Lena lachte zuerst, doch ihr Lachen verstummte schnell, als sie merkte, dass niemand mitlachte.
„Und Hannah hilft gar nicht mehr?“, fragte sie in einem Ton, als ginge es nicht um ihre kostenlosen Abendessen, sondern um eine staatsbürgerliche Pflicht meinerseits.
Ich kam mit einer kleinen Tasche in den Flur. Darin lagen meine Unterlagen, der Laptop, ein paar Kleidungsstücke, Ladegeräte, Medikamente und der Ordner mit den Quittungen.
„Hannah hilft im Moment sich selbst“, sagte ich. „Ich fahre in meine eigene Wohnung.“
Elisabeth Winter wurde sofort lebhaft.
„Na bitte, ich habe es doch gewusst. Jetzt spielt sie die Beleidigte.“
„Nein“, sagte ich. „Ich lebe nur nicht länger dort, wo mein Beitrag erst an der Kasse anerkannt wird.“
„Du verlässt also deinen Mann wegen ein paar Einkäufen?“, fragte Lena.
„Ich gehe aus einem System, in dem man mir sagt, ich solle mich fügen, und anschließend erwartet, dass ich bis Sonntag alles bezahle.“
Lukas trat näher an mich heran.
„Mach jetzt bitte kein Drama. Wir reden in Ruhe zu Hause.“
„Das hier ist nicht mein Zuhause. Das wurde mir gestern sehr deutlich erklärt.“
Er sah zu seiner Mutter hinüber. Elisabeth Winter senkte den Blick, sagte aber kein Wort.
„Hannah, Mama war aufgebracht“, versuchte er einzulenken. „Das weißt du doch.“
„Sie war ausgesprochen klar. Die Küche gehört ihr, der Sohn gehört ihr, und ich soll mich eben damit abfinden. Nur die Karte, die gehörte mir.“
Lena schnaubte.
„Sehr erwachsen. Mit Geld Macht ausüben.“
„Mit Geld Macht ausüben heißt, auf Kosten anderer zu essen und dieser Person dann einen leeren Teller hinzustellen. Ich habe lediglich aufgehört, euren Alltag zu finanzieren.“
Ich legte die Schlüssel zu Elisabeth Winters Wohnung auf die Kommode im Flur. Ich hatte eine eigene Tür, eine eigene Adresse und einen Tisch, auf dem niemand fremde Jacken ablegte. Lukas holte mich vor dem Aufzug ein. Neben mir wirkte er plötzlich längst nicht mehr so sicher wie vorher.
„Du fährst wirklich?“
„Ja.“
„Wegen meiner Mutter?“
„Wegen dir. Du hast danebengesessen und so getan, als ginge dich das alles nichts an.“
Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
„Ich wollte keinen Streit.“
„Du wolltest es bequem haben. Auch das ist eine Entscheidung.“
Der Aufzug kam. Lukas hielt die Tür mit der Hand offen und fragte, wie es jetzt weitergehen solle. Ich sagte ihm, dass ich in meiner Wohnung wohnen würde und er selbst herausfinden müsse, wie er für seine Mutter einkauft, Lena mitversorgt und mit den Menschen spricht, die sich an meine Karte gewöhnt hatten. Wenn er diese Ehe retten wolle, dann werde es nicht darum gehen, dass ich morgen zurückkomme, sondern um eine eigene Wohnung, klare Kostenaufteilung und Grenzen.