— Verstehe.
Danach legte sie so knapp auf, als spare sie nicht Gesprächsminuten, sondern verwandtschaftliche Kräfte.
Aber das Leben, das habe ich längst gelernt, liebt selten die großen Auftritte. Viel lieber setzt es leise fort.
Am Samstag kam sie schließlich doch. Diesmal ohne Tüte, ohne energischen Schritt, ohne diesen morgendlichen Kampfglanz in den Augen.
Sie blieb im Flur stehen, betrachtete die neuen Rahmen und sagte eine Weile gar nichts. Dann zog sie den Mantel aus.
— Es ist heller geworden.
— Ja, — sagte ich. — Viel heller.
Lukas kam aus dem Zimmer.
— Mama, möchtest du Tee?
— Möchte ich.
Wir saßen zu dritt in der Küche. Der Tee duftete nach Bergamotte. Auf der Fensterbank stand immer noch das Glas mit den Knöpfen.
Hannah Weiß hielt die Tasse zwischen beiden Händen und sagte plötzlich, ohne uns anzusehen:
— Julia Neumann habe ich gesagt, sie soll selbst mit euch sprechen, wenn sie etwas von euch will.
Lukas erwiderte nichts. Er nickte nur.
Dann fügte sie, schon wieder etwas spröder, hinzu:
— Noch besser wäre allerdings, sie redet mit ihrem Mann.
Ich wandte den Blick zum Fenster, damit ich ihr nicht in die Augen sehen musste. Nicht aus Mitleid.
Es gibt nur Momente, in denen ein Mensch sich durch seine eigene Verlegenheit härter bestraft hat, als es jeder andere gekonnt hätte.
— Ihr Balkon ist übrigens wirklich in schlechtem Zustand, — murmelte sie.
— Das glaube ich, — sagte ich.
Da lächelte Lukas auf einmal.
— Glauben wir. Aber unser Wasserkocher hat auch seine Eigenheiten.
Hannah Weiß schnaubte. Ganz kurz. Fast unhörbar.
Und doch war es wieder ihr normaler, menschlicher Laut. Nicht mehr die Stimme einer Frau, die gekommen war, um über fremde Überweisungen zu verfügen.
Nach dem Tee ging sie langsam durch die Wohnung, strich über das neue Fensterbrett, prüfte, wie sich der Rahmen schließen ließ, und sagte an der Tür:
— Nur andere Vorhänge braucht ihr jetzt.
Ich machte hinter ihr zu und musste doch lachen.
Lukas lachte ebenfalls.
So kam es also.
Das Geldchen, wie Hannah Weiß es nennt, ist nirgendwohin davongeflogen. Es blieb dort, wo es hingehörte.
Die Fenster haben wir austauschen lassen. Die Elektrik auch.
Und Lukas Albrecht lernte, seiner Mutter ein kurzes Nein zu sagen, ohne mit den Augen in irgendeine Landschaft zu flüchten.
Vielleicht war genau das am Ende die wichtigste Renovierung in unserem Zuhause.