„Davon rate ich dir ab. In meine Wohnung lasse ich dich nicht. Wenn du hier Lärm machst, rufe ich die Polizei. Und ein Gespräch vor meiner Tür wird es ebenfalls nicht geben.“

Er presste die Rosen so fest zusammen, dass ein paar Blütenblätter auf den Asphalt fielen.

„Du warst schon immer unnormal selbstständig.“

„Und du hast nur zu spät verstanden, dass sich das durch eine Ehe nicht heilen lässt.“

Anna beendete das Gespräch.

Christian blieb noch etwa eine Viertelstunde vor dem Eingang stehen. Schließlich warf er den Strauß in den nächsten Mülleimer und ging. Anna machte aus dem Fenster ein Foto. Nicht aus Rachsucht. Für sich selbst. Für den Fall, dass er später behaupten sollte, er sei ganz ruhig mit Blumen gekommen, während sie eine Szene veranstaltet habe.

In den folgenden Tagen geriet alles in Bewegung. Anna verschickte Mitteilungen, strich alles ausdrücklich Hochzeitsbezogene und änderte die Bestellung im Restaurant. Das Kleid holte sie aus dem Salon ab und hängte es in den Schrank. Sofort verkaufen wollte sie es nicht. Nicht, weil sie sentimental daran hing, sondern weil sie wusste, dass man teure Dinge nicht in einem aufgewühlten Zustand loswerden sollte. Der Fotograf erklärte sich bereit, die Hochzeitsreportage in einen Porträtspaziergang Ende August umzuwandeln. Der Moderator erstattete einen Teil des Honorars. Die Floristin klang beinahe erleichtert, als sie sagte, sie habe die Blumen noch nicht eingekauft.

Von Christians Seite aus verbreiteten sich Gerüchte. Man trug sie Anna vorsichtig zu: Er erzähle, sie habe Angst vor familiärer Verantwortung bekommen, ihr Charakter eigne sich nicht für die Ehe, sie sei zu sehr daran gewöhnt, allein zu leben und alles bestimmen zu wollen. Anna rechtfertigte sich nicht. Nur wenn jemand sie direkt fragte, sagte sie:

„Er meinte, der Mann sei das Oberhaupt, und ich müsse mich daran gewöhnen zu gehorchen. Ich habe beschlossen, mich nicht daran zu gewöhnen.“

Dieser eine Satz genügte meistens. Manche verstummten. Andere lachten verlegen. Wieder andere sagten nur: „Verstehe.“ Besonders schnell verstanden es die Frauen.

Zwei Tage vor der abgesagten Trauung schickte Christian ihr die Forderung, sie solle ihm die Hälfte der Vorbereitungskosten zurückzahlen. Anna hatte damit gerechnet. Sie öffnete die Tabelle, in der sämtliche Zahlungen bereits eingetragen waren: wer bezahlt hatte, wann, wofür und auf Grundlage welchen Vertrags. Christian hatte sich am Anzug, an den Ringen und an einem Teil der Videografenleistung beteiligt. Die Ringe bot sie an, ihm per Kurier zurückzugeben; dem Videografen schrieb sie gesondert. Der Anzug befand sich bei Christian. Auf ihre eigenen Zahlungen hatte er keinen Anspruch.

Sie antwortete:

„Schick mir bitte Nachweise über die Ausgaben, die du persönlich getragen hast und die gemeinsame Leistungen betreffen. Über eine Erstattung sprechen wir anhand von Belegen. Kosten ohne Nachweis berücksichtige ich nicht.“

Christian schrieb zurück: „Du machst sogar aus einer Trennung eine Buchhaltung.“

Anna lächelte flüchtig, antwortete jedoch nicht mehr. Er wollte Gefühle provozieren und bekam Ordnung. Das ärgerte ihn mehr als jeder Wutanfall es gekonnt hätte.