„Du weißt, wo du mich findest“, sagte Mia.

„Ja“, antwortete Laura. „Das weiß ich.“

Die Wohnung empfing sie mit Stille. Maximilian war da. Er saß in der Küche vor einer Tasse Tee, und schon an seiner Haltung erkannte Laura, dass er sich auf dieses Gespräch vorbereitet hatte. Wahrscheinlich hatte er Sätze geordnet, Antworten durchgespielt, sich eingeredet, ruhig bleiben zu müssen.

Laura stellte den Koffer im Flur ab, ging in die Küche und setzte sich ihm gegenüber.

„Maximilian“, begann sie, „ich möchte die Scheidung.“

Er zuckte nicht zusammen. Nur seine Finger schlossen sich etwas fester um die Tasse.

„Wegen meiner Mutter“, sagte er. Es war keine Frage. Es klang wie eine Feststellung.

„Nicht nur wegen ihr“, erwiderte Laura. „Wegen uns.“

„Was soll das heißen, wegen uns? Wir leben doch ganz normal.“

„Normal“, wiederholte sie langsam. „Ja. Genau das ist es. Normal. Nicht gut. Nicht schlimm genug, um laut zu schreien. Einfach normal. Du warst nie auf meiner Seite, Maximilian. Kein einziges Mal in sieben Jahren.“

Er schwieg und sah in seinen Tee, als könnte sich dort eine Antwort bilden.

„Mutter hat…“

„Ich spreche nicht von deiner Mutter.“ Laura unterbrach ihn nicht hart, aber endgültig. „Ich spreche von dir. Davon, dass du jedes Mal eine Wahl hattest. Und jedes Mal hast du dich nicht für mich entschieden.“

Die Worte waren schlicht. Es gab keinen Ausbruch, keine Tränen, kein Zittern in ihrer Stimme. Geweint hatte sie längst. In den Nächten vor der Reise, während Maximilian neben ihr geschlafen und nichts bemerkt hatte. Jetzt war davon nur noch diese ruhige Kälte übrig, klar und weit wie das Meer am Morgen.

„Hast du jemanden kennengelernt?“ fragte er plötzlich.

Laura sah ihn überrascht an.

„Nein“, sagte sie. „Ich habe nur mich selbst kennengelernt.“

Er verstand es nicht. Das sah sie seinem Gesicht sofort an. Und auch das war eine Antwort.

Stefanie Baumann erfuhr es am nächsten Tag. Gegen Mittag stand sie vor der Tür, außer Atem, die Lippen schmal zusammengepresst, in einer auffällig eleganten Strickjacke, als wäre sie zu einer Gerichtsverhandlung erschienen und hätte vor, Eindruck zu machen.

„Du verlässt also meinen Sohn“, erklärte sie, kaum dass sie die Schwelle überschritten hatte.

„Wir trennen uns“, sagte Laura. „Es ist eine gemeinsame Entscheidung.“

„Gemeinsam!“ Stefanie Baumann warf die Hände in die Luft. „Max, hörst du das? Sie sagt, es sei gemeinsam!“

Maximilian stand an der Wand mit dem Gesicht eines Mannes, der am liebsten verschwunden wäre.

…sich in Luft aufgelöst hätte, irgendwohin, wo weder seine Mutter noch Laura ihn erreichen konnten.

„Mama, bitte, fang nicht an …“

„Was heißt hier, ich soll nicht anfangen?“ Stefanie Baumann fuhr herum. „Sie hat sieben Jahre zu unserer Familie gehört, wir haben sie aufgenommen, wir haben sie behandelt wie eine von uns, und jetzt …“

Laura hob die Hand. Es war keine dramatische Geste, eher eine ruhige Grenze, die plötzlich mitten im Raum stand. Und ausgerechnet diese Gelassenheit brachte Stefanie für einen Moment zum Schweigen.

„Frau Baumann“, sagte Laura gleichmäßig, „die Wohnung wurde zur Hälfte von meinem Geld und zur Hälfte von Maximilians Geld bezahlt. Ich bin bereit, ihm seinen Anteil auszuzahlen. Wie das rechtlich läuft, habe ich bereits klären lassen.“