„Du hast mich vorsichtig gemacht.“

Dann legte sie das Handy beiseite.

Am Samstag erschien er zusammen mit Felix. Offenbar hatte Philipp gehofft, die Anwesenheit seines Bruders würde ihm Rückhalt geben. Doch Felix begriff schon beim ersten Blick auf Sophie, dass es klüger war, sich ruhig zu verhalten. Er war nicht bösartig und auch nicht dumm. Er war nur daran gewöhnt, sich irgendwie aus allem herauszuwinden. Sophie dagegen wirkte wie jemand, der sämtliche Ausreden bereits in eine eigene Spalte eingetragen und die passenden Antworten vorbereitet hatte.

„Sophie, ich zahle alles zurück“, sagte Felix und blieb an der Schwelle stehen. „Nicht auf einmal, aber ich zahle es zurück.“

„Termine“, sagte sie.

Er zog ein zusammengefaltetes Blatt aus der Jackentasche.

„Ich habe es aufgeschrieben. So, wie du es wolltest.“

Sophie nahm das Papier, überflog die Zeilen und zeigte weder Erleichterung noch Vertrauen.

„Unterschrift darunter. Und Datum.“

Felix sah kurz zu Philipp hinüber. Der schwieg. Also holte Felix einen Stift hervor und setzte seine Unterschrift darunter.

Philipp trug die übrigen Dinge diesmal ohne jedes Schauspiel hinaus. Sophie half ihm nicht, stellte sich ihm aber auch nicht in den Weg. Sie blieb bei der offenen Tür stehen, kontrollierte, was mitgenommen wurde, und hakte es auf ihrer Liste ab. Als Philipp den letzten Karton anhob, zögerte er noch einmal.

„Vielleicht reden wir heute Abend doch noch?“

„Wir reden bereits.“

„Ich meine richtig. Ohne Listen und Anwälte.“

„Richtig hättest du reden müssen, bevor du Geld überwiesen hast. Bevor du wieder gegangen bist. Bevor du gesagt hast, ich würde schon angekrochen kommen und um Verzeihung bitten.“

Philipp lachte leise, aber es klang müde.

„Wirst du mir jetzt jedes Wort vorhalten?“

„Nein. Nur die entscheidenden.“

Er betrachtete sie, und in seinem Blick lag beinahe Respekt, vermischt mit Ärger.

„Ich dachte, du wärst weicher.“

„Das war ich. Bis ihr angefangen habt, es für Schwäche zu halten.“

Zwei Wochen später trafen sie sich vor dem Amtsgericht. Philipp hatte schließlich eingewilligt, den Weg einer einvernehmlichen Scheidung zu gehen. Nicht aus Großmut, das war Sophie klar. Er hatte lediglich begriffen, dass ein Streit vor Gericht, Diskussionen um Geld und zusätzliche Zeugen für ihn ungünstig wären. Seine Berechnung war nicht verschwunden. Zum ersten Mal jedoch war Sophie diejenige, die nüchterner kalkulierte.

Es war ein heißer Vormittag. Über dem Asphalt flimmerte die Luft. Vor dem Eingang ließ sich ein junges Paar mit seinen Eltern fotografieren. Die Braut lachte, während sie ihren Strauß festhielt, der Bräutigam versuchte, ihren Schleier zu richten, und trat dabei ständig auf den Saum ihres Kleides. Sophie sah ihnen ohne Bitterkeit zu. Der Anfang anderer Menschen tat ihr nicht weh. Jeder hatte seinen eigenen Weg.

Philipp kam in einem hellen Hemd, ohne Blumen, ohne zur Schau gestellte Kränkung. Sie erledigten die Formalitäten fast schweigend. Die Mitarbeiterin fragte, ob minderjährige Kinder vorhanden seien und ob es einen Vermögensstreit gebe, der dem Verfahren im Wege stehe. Sophie antwortete klar. Philipp nickte nur. Wegen des Geldes gab es inzwischen eine gesonderte schriftliche Vereinbarung mit Felix, und Sophie hatte ausdrücklich festgehalten, dass sie weitere Schritte einleiten würde, falls die Fristen nicht eingehalten wurden.