— Gut, Mama, ruh dich aus, — sagte Lukas Meier schließlich und beendete damit das Gespräch. — Wir… klären das hier. Ich rede mit ihr. Alles wird gut.
Er legte das Telefon mit zufriedener Miene vor sich auf den Tisch. Für ihn war die Partie entschieden, ja gewonnen. Er wartete auf ihre Kapitulation. Er war fest davon überzeugt, Laura Schneider würde nun zu ihm kommen, ihn umarmen und zugeben, dass er recht gehabt hatte.
Doch sie kam nicht.
Die Stille, die nach dem Telefonat in der Küche zurückblieb, war schwer und dicht. Sie dröhnte nicht, sie lastete nicht einmal sichtbar auf ihnen — sie war einfach da, wie ein fremder Gegenstand, der plötzlich mitten im Raum stand. Lukas Meier verschränkte die Arme vor der Brust und nahm unbewusst die Haltung eines Siegers ein. Sein Blick ruhte triumphierend auf Laura Schneider. Er wartete darauf, dass sie nachgab, einen Schritt auf ihn zumachte, sich entschuldigte.
In seiner Vorstellung war das hier Schachmatt gewesen. Er hatte sie in die Ecke gedrängt, mit dem stärksten Argument, das ihm zur Verfügung stand: dem Leid seiner Mutter. Nun blieb ihr, so glaubte er, nur noch die bedingungslose Kapitulation.
Eine Minute verging. Dann noch eine.
Schließlich hob er die Stimme, laut genug, damit sie ihn in der ganzen Wohnung hören konnte.
— Ab morgen übernimmst du wieder deine Pflichten! Du gehst zu meiner Mutter und hilfst ihr, ob es dir passt oder nicht! Hast du verstanden?
Laura Schneider löste sich langsam vom Kühlschrank. Sie trat einen Schritt in die Mitte der Küche und blieb dort stehen. Ihr Gesicht war ruhig, beinahe reglos, doch tief in ihren Augen glomm etwas Kaltes, Dunkles auf. Sie sah ihn an, als erkenne sie ihn in diesem Moment zum ersten Mal wirklich — nicht als ihren Verlobten, nicht als den Mann, den sie geliebt hatte, sondern als einen fremden, abstoßenden Menschen.
Dann sprach sie. Ihre Stimme klang gleichmäßig, ohne Zittern, ohne Lautstärke. Und doch lag darin eine solche Härte, dass Lukas sich unwillkürlich aufrichtete.
— Erklär mir bitte, warum ich jeden Abend zu deiner Mutter gehen, sie waschen und ihr die Windeln wechseln soll. Stell eine Pflegekraft ein. Ich werde das jedenfalls nicht mehr tun.
Die Worte fielen in die Stille wie Steine. Nicht wie ein Ausbruch. Eher wie ein Urteil.
Lukas starrte sie an. Schon öffnete er den Mund, bereit, ihr zu widersprechen, bereit, seinen ganzen gerechten Zorn über sie auszuschütten. Doch Laura ließ ihn gar nicht erst beginnen.
— Du dachtest wirklich, deine kleine Aufführung würde funktionieren? — Sie lächelte, aber dieses Lächeln hatte nichts Warmes. Es war eine Grimasse voller Verachtung. — Du dachtest, du könntest mit Mitleid arbeiten und mich als herzloses Monster hinstellen? Glückwunsch, Lukas. Gerade hast du gezeigt, wer du wirklich bist. Ein billiger Manipulator, der sogar die Krankheit seiner Mutter als Knüppel benutzt, nur um mich wieder in den Stall zu treiben.
Er sah sie an, und das sichere Fundament unter seinen Füßen bekam Risse, als stünde er auf dünnem Eis. Das war nicht die Laura, die er zu kennen glaubte. Vor ihm stand eine andere Frau — unbekannt, unerschütterlich, erschreckend in ihrer eisigen Ruhe.