„Übrigens, wir haben miteinander gesprochen“, begann sie in einem Ton, als ginge es um eine Kleinigkeit. „Wir haben beschlossen, nicht in die Mietwohnung zurückzugehen.“
Emilia hielt mitten in der Bewegung inne, den Pfannenwender noch in der Hand. In der Pfanne zischte das Ei weiter. Auf einmal schien die Luft in der Küche schwerer zu werden.
„Wie meinst du das?“, fragte sie, weil sie den Sinn der Worte nicht sofort fassen konnte.
Christina zuckte nur mit den Schultern. „Warum sollten wir weiter zur Miete wohnen, wenn es eine viel bequemere Möglichkeit gibt?“
Felix nickte zustimmend und stellte sich damit deutlich hinter seine Frau. Alexander blickte verwirrt von seiner Schwester zu Emilia und wieder zurück.
Das Schweigen zog sich unangenehm in die Länge.
„Moment mal“, sagte Emilia Peters schließlich, drehte den Herd aus und wandte sich zu den anderen um. „Ihr habt doch von einer Woche gesprochen.“
„Pläne können sich ändern“, erwiderte Christina Lange vollkommen ungerührt. „Wir haben es uns anders überlegt. Wir fahren nicht zurück.“
Für einen Augenblick schien Emilia nicht zu begreifen, was da gerade ausgesprochen worden war. Die Worte ihrer Schwägerin sanken nur langsam in ihr Bewusstsein.
„Aber wohin wollt ihr denn dann?“, fragte sie und bemühte sich, ihre Stimme ruhig zu halten. „Wo wollt ihr wohnen?“
Christina nahm erst einen Schluck Kaffee, als hätte sie alle Zeit der Welt. Felix Schmitt kaute schweigend an seinem Brot weiter, als ginge es um eine harmlose Wochenendplanung.
„Vielleicht ins Gartenhaus?“, warf Alexander König unsicher ein und sah kurz von seinem Handy auf. „Mama hat doch dieses Häuschen, ungefähr eine Stunde von hier.“
Emilia blickte ihren Mann hoffnungsvoll an. Endlich wenigstens ein vernünftiger Gedanke.
„Ach bitte!“ Christina verzog verächtlich den Mund. „Diese schiefe Bretterbude? So etwas kommt für mich ganz sicher nicht infrage.“
Felix nickte sofort, als müsse er die Worte seiner Frau bestätigen. Emilia sah von einem zum anderen und versuchte, die Situation einzuordnen. In ihr breitete sich ein dumpfes, kaltes Unbehagen aus.
„Also noch einmal“, sagte sie fester. „Wo genau wollt ihr bleiben? Erklärt es mir endlich.“
Wie in Trance schob Emilia das fertige Rührei auf einen Teller. Ihre Hände erledigten die Bewegung von selbst.
„Was gibt es da groß zu erklären?“ Christina hob gleichgültig die Schultern. „Wir bleiben hier.“
Der Teller glitt Emilia aus den taub gewordenen Fingern. Mit einem lauten Krachen zersprang er auf den Fliesen, und das Ei spritzte in gelben Flecken über den Küchenboden.
„Hier?“, wiederholte Emilia tonlos. „Wie meinst du das, hier?“
Ihre Stimme bebte. Ihr Herz schlug so heftig, dass sie glaubte, alle müssten es hören.
„Na, in dieser Wohnung“, sagte Christina in jenem geduldigen Ton, den man für ein begriffsstutziges Kind benutzt. „Platz ist doch genug für uns. Außerdem wollten wir ohnehin bald Kinder bekommen.“
Emilia stand zwischen Scherben und verstreutem Essen und starrte ihre Schwägerin an. Der Raum schien zu schwanken, die Wände rückten enger zusammen.