„Ich verstehe nicht“, brachte Emilia leise hervor. „Ihr wollt mein Arbeitszimmer dauerhaft besetzen?“
Christina verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln. „Nicht nur das Zimmer. Wir brauchen die ganze Wohnung.“
Emilia blieb der Atem weg. Für einen Moment stand sie einfach nur da, sprachlos vor Empörung.
„Was?“ Ihre Stimme klang heiser. „Das ist doch absurd. Das hier ist meine Wohnung. Nicht eure.“
Christinas Gesicht lief rot an. Ihre Augen wurden schmal, ihre Stimme scharf und schrill. „Euch reicht doch das Wochenendhaus!“, rief sie. „Und in der Dreizimmerwohnung wohnen ab jetzt wir!“
Eine schwere Stille senkte sich über die Küche. Selbst Felix hörte auf zu kauen. Emilia sah Christina an und erkannte die Frau, die sie seit zwei Jahren zu kennen geglaubt hatte, kaum wieder.
„Hast du völlig den Verstand verloren?“, stieß Emilia hervor. „Diese Wohnung gehört mir!“
„Gehörte dir“, gab Christina höhnisch zurück. „Jetzt ist sie Familiensache. Mein Bruder hat geheiratet, also wird eben geteilt.“
Emilia spürte, wie ihr das Blut in den Ohren rauschte. Ihre Finger bebten vor Zorn, und die Luft schien plötzlich zu knapp zu werden.
„Hier wird gar nichts geteilt!“, rief sie, und ihre Stimme überschlug sich. „Das ist mein Zuhause. Meins!“
„Das werden wir ja noch sehen“, fauchte Christina mit einem bösen Grinsen. „Bald wirst du merken, wer hier das Sagen hat.“
Erst jetzt löste Alexander König den Blick von seinem Handy. Sein Gesicht war blass geworden, seine Hände zitterten leicht.
„Christina, hör sofort auf“, sagte er leise, aber mit einer Härte, die keinen Widerspruch duldete. „Was redest du da für einen Unsinn?“
Christina fuhr zu ihrem Bruder herum. In ihren Augen loderte blanke Wut.
„Unsinn?“, kreischte sie. „Du bist mein eigener Bruder! Du hast zu deiner Familie zu halten und nicht zu dieser Fremden!“
Alexander hob den Kopf, atmete hörbar ein und setzte zu einer Antwort an.
„Ich halte zu meiner Familie“, erwiderte Alexander König und richtete sich langsam auf. „Aber diese Wohnung gehört Emilia Peters. Und hier entscheiden wir beide, niemand sonst.“
Christina Lange sprang so heftig vom Stuhl hoch, dass die Tasse umkippte und klirrend über den Tisch rollte. Auch Felix Schmitt fuhr in die Höhe, die Fäuste geballt, als wolle er jeden Moment losstürmen.
„Verräter!“, schrillte Christina und stach mit dem Finger in Richtung ihres Bruders. „Ich habe immer zu dir gestanden! Und du stellst dich wegen dieser Frau gegen dein eigenes Blut!“
Emilia sah, wie Alexanders Miene erstarrte. Seine Kiefer mahlten, die Schultern wurden breit, sein Blick hart. Mit einem entschlossenen Schritt trat er auf seine Schwester zu.
„Packt eure Sachen“, sagte er so kalt, dass es im Raum plötzlich noch stiller wurde. „Sofort.“
Christina wich einen halben Schritt zurück. „Das meinst du doch nicht ernst.“
„Doch“, antwortete Alexander knapp. „Ihr habt dreißig Minuten. Keine Minute länger.“
Für einen Moment starrten Christina und Felix einander fassungslos an. Dann begriffen sie, dass es diesmal keine Drohung war. Wortlos verschwanden sie im Zimmer. Kurz darauf polterten Schranktüren, Koffer wurden hervorgezerrt, Reißverschlüsse rissen durch die gespannte Stille. Emilia lehnte sich an die Wand; ihre Knie fühlten sich weich an, als hätte die ganze Aufregung ihr die Kraft aus dem Körper gezogen.