„Wenn mein Essen erst noch verbessert werden muss, dann machen Sie das bitte selbst“, sagte ich.

Hannah Lehmann ließ die Gabel fallen. Michael richtete sich halb auf.

„Julia, was soll das denn jetzt?“ Er tupfte sich mit der Serviette den Mund ab. „Mama hat doch nichts Schlimmes gesagt.“

Nichts Schlimmes. Jeden Samstag ungefähr vierzig Euro für Lebensmittel. Stundenlanges Stehen am Herd. Und am Ende fremde Gewürze über meiner Marinade.

Ich gab keine Antwort. Ich stellte die Auflaufform auf den Herd, legte den Deckel darauf und ging ins Zimmer. Aus der Küche hörte ich Hannah Lehmanns Stimme:

„Siehst du, wie sie ist? Man darf überhaupt nichts mehr sagen.“

Zwanzig Minuten später kam Michael zu mir. Seine Mutter sei gekränkt, sagte er. Ich solle herauskommen und mich entschuldigen.

Ich blieb, wo ich war.

Als Hannah Lehmann am Abend endlich gegangen war, holte ich ein Notizheft hervor. Ein ganz gewöhnliches kariertes Heft mit blauem Umschlag. Auf die erste Seite schrieb ich: „Samstag, 14. September. Einkäufe: 42 Euro. Kochzeit: viereinhalb Stunden. Ergebnis: von der Schwiegermutter überpfeffert. Dank: von niemandem.“

Von diesem Tag an notierte ich jeden Samstag alles. Ausgaben, Zeitaufwand, Reaktionen. Das Heft lag in der Kommodenschublade, verborgen unter einem Stapel Handtücher.

Zwei Wochen später erklärte Michael beiläufig, seine Mutter wolle öfter vorbeikommen. Vielleicht auch mittwochs. Ich fragte, wozu. Er zuckte nur mit den Schultern und sagte: „Na ja, sie vermisst uns eben.“ Ich sah ihn an und schwieg. Das Heft bekam neue Einträge.

An jenem Samstag war eine Freundin bei mir. Lina Meier. Wir hatten vor zehn Jahren zusammen gearbeitet, bevor sie weggezogen war. Nun war sie für ein Wochenende in der Stadt, und ich hatte sie zum Mittagessen eingeladen. Ich wollte ihr zeigen, dass bei uns alles in Ordnung war. Familie, Wohnung, gedeckter Tisch — so, wie es sein sollte.

Ich backte einen Kohl-Eier-Kuchen. Den Teig hatte ich am Freitagabend angesetzt, am Morgen ausgerollt. Für die Füllung hatte ich Kohl vierzig Minuten lang bei niedriger Hitze geschmort, vier Eier gekocht und frischen Dill gehackt. Der Kuchen ging hoch auf, wurde goldbraun und bekam eine knusprige Kruste. Ich schnitt ihn in acht Stücke und stellte die Teller bereit.

Lina nahm den ersten Bissen und schloss die Augen.

„Julia, das ist unglaublich. Du solltest wirklich auf Bestellung backen. Ich meine das ernst.“

Ich lächelte. Das erste Lob seit zwei Monaten. In meiner eigenen Küche, an meinem eigenen Tisch — das erste Lob.

Hannah Lehmann kam ohne Vorankündigung. Sie trat ein, bemerkte Lina, nickte knapp und setzte sich.

„Kuchen?“ Sie nahm sich ein Stück und biss hinein. Langsam kaute sie. „Der Teig ist innen roh.“

Der Teig war nicht roh. Ich hatte ihn mit einem Holzstäbchen geprüft, es war sauber herausgekommen. Die Kruste war perfekt gebräunt, die Füllung durchgegart. Doch Hannah Lehmann biss noch einmal ab und schob den Teller von sich.

„Das ist kein Kuchen“, sagte sie nun lauter, so laut, dass Lina es unmöglich überhören konnte. „Das ist eine Schuhsohle. Der Teig zieht sich wie Gummi. Die Füllung ist sauer. Ich begreife nicht, wie man vierundzwanzig Jahre verheiratet sein kann und immer noch nicht backen gelernt hat.“