Ich öffnete die Notizen auf meinem Handy und begann zu kalkulieren.

Schulkleidung — etwa 40 Euro.

Arbeitshefte und Bücher — ungefähr 35.

Stifte, Hefte und Kleinkram — 15.

Der Rucksack — 50.

Dazu Wechselschuhe, Sportsachen und eine eigene Tasche für den Sportunterricht.

Am Ende standen rund 380 Euro für den Schulstart.

Da begriff ich, dass diese 1.800 Euro keine abstrakte Schuld waren.

Das waren fast fünf vollständige Ausstattungen für ein Schuljahr.

Man hätte ein Kind damit fünfmal ordentlich auf den Schulanfang vorbereiten können.

Und in derselben Zeit hatte Stefan sich ein neues Handy gekauft und nicht ein einziges Mal gefragt, wie es seinem Sohn ging.

An jenem Abend holte ich den Vollstreckungstitel aus der Schreibtischschublade, setzte mich an den Tisch und schrieb einen offiziellen Antrag an die zuständige Vollstreckungsstelle.

Ich legte die Kontoauszüge bei, auf denen jede eingegangene Zahlung und jeder ausgefallene Monat zu sehen war.

Der Antrag wurde am Sechsten entgegengenommen.

Innerhalb von drei Tagen wurde das Vollstreckungsverfahren eröffnet.

Und nun stand Julia Stein vor meiner Tür.

Ich öffnete sie weiter.

„Komm in die Küche.“

Sie trat ein. Sofort breitete sich der schwere, süßliche Duft ihres Parfüms im Flur aus. Ihre Absätze klickten über die Fliesen.

Aus dem Wohnzimmer rief Jonas: „Mama, wer ist das?“

„Niemand Wichtiges, mein Schatz. Schau deinen Film weiter.“

Ich zog die Tür zu seinem Zimmer leise an und folgte Julia in die Küche.

Das Licht brannte. Auf dem Herd stand noch die Pfanne mit den Frikadellen und kühlte ab. Das Fenster war einen Spalt geöffnet, und von draußen zog der Geruch nach nassem Asphalt herein.

Es war ein gewöhnlicher Abend.

Nur der Besuch war alles andere als gewöhnlich.

Auf dem Küchentisch lag eine Mappe mit Unterlagen. Ich hatte sie am Morgen dort abgelegt. Eine Angewohnheit aus dem Büro — ich sortierte Papiere gern im Voraus.

Julia bemerkte sie nicht.

Sie setzte sich auf den Hocker, legte ihre Tasche auf die Knie und ließ den Blick durch meine Küche wandern, als würde sie eine Wohnung besichtigen, die sie vielleicht kaufen wollte.

Ich zog mein Handy aus der Tasche und stellte es auf das Regal über dem Schneidebrett, mit dem Bildschirm in Julias Richtung. Damit es nicht wegrutschte, lehnte ich es an ein Glas mit Getreide.

Dann drückte ich auf Aufnahme.

In meiner eigenen Wohnung durfte ich festhalten, was hier geschah. Das wusste ich, weil ich mich in der vergangenen Woche damit beschäftigt hatte, als ich den Antrag einreichte.

Meine Hände zitterten nicht.

Bei der Arbeit verhandle ich regelmäßig mit Lieferanten, die mir ohne mit der Wimper zu zucken falsche Preise und erfundene Lieferfristen auftischen.

So viel anders war diese Situation auch nicht.

„Möchtest du Tee?“, fragte ich.

„Nein“, antwortete Julia scharf. Ihre langen, dunkelroten Fingernägel trommelten ungeduldig auf die Tischplatte. „Ich bleibe nicht lange.“

Sie öffnete ihre Tasche und zog ein zusammengefaltetes Blatt Papier heraus.

Julia strich es glatt und schob es vor mich hin.

Das Papier war warm, vermutlich weil es in ihrer Tasche dicht an ihrem Körper gelegen hatte.