„Alles ist vollkommen korrekt“, erklärte ich und verschränkte ruhig die Finger auf meinen Knien. „Ich habe die gesamte Forderung übernommen. Antonia, du schuldest jetzt nicht mehr der Bank Geld, sondern mir persönlich — mehr als zwanzigtausend Euro. Und du, Markus, haftest als offiziell eingetragener Bürge für diese Verpflichtung gesamtschuldnerisch und in voller Höhe. Ich werde mich ausschließlich an die gesetzlichen Vorgaben halten und das Geld auf rechtlichem Weg eintreiben.“

„Das darfst du nicht tun! Wir sind doch Familie!“ Frieda schrie auf und ließ die Papiere empört auf den Teppich fallen. „Wie kannst du es wagen, so mit deinen eigenen Leuten umzugehen?“

„Erpressung mit Scheidungsdrohungen und der Androhung einer Vermögensaufteilung, nur damit ich für fremde Schulden aufkomme, hat mit Familie nichts zu tun“, sagte ich, ohne die Stimme zu heben. Mein Blick blieb kalt und unbewegt. „Ihr habt diesen Weg selbst gewählt. Ab heute wird die Entfernung zwischen uns nur noch durch die Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt.“

„Antonia hat überhaupt kein offizielles Einkommen! Von ihr wirst du keinen Cent sehen!“, fuhr Markus mich an und sprang ruckartig vom Sofa auf.

In seinen unstet hin und her flackernden Augen stand nun unverhüllte Panik.

„Dafür besitzt sie ein recht neues Auto in ausgezeichnetem Zustand. Und du, Markus Gross, verfügst über ein sauberes, offiziell nachweisbares Gehalt sowie über mehrere Bankeinlagen“, erwiderte ich ruhig, beinahe sachlich, als würde ich einen Punkt nach dem anderen auf einer Liste abhaken. „Mein Anwalt hat heute Mittag Klage eingereicht. Zusätzlich wurde ein Antrag auf sofortige Sicherungsmaßnahmen gestellt. Der Beschluss liegt bereits vor. Sämtliche Konten, die auf eure Namen laufen, sind vorläufig gesperrt. Eure Karten funktionieren nicht mehr, und über das Geld könnt ihr nicht verfügen. Außerdem ist für Antonias Wagen ein Veräußerungs- und Ummeldeverbot eingetragen worden. Verkaufen, überschreiben, verschwinden lassen — das wird nicht mehr klappen.“

Antonia Schubert sog scharf die Luft ein. Im nächsten Moment riss sie ihr Smartphone an sich und tippte mit fahrigen Fingern auf dem Display herum. Sie öffnete die Banking-App, gab den Code ein, wartete kaum atmend auf die Anzeige. Wenige Sekunden später bestätigte ihr erstickter Aufschrei alles, was ich gesagt hatte. Auf dem hellen Bildschirm prangte ein rotes Sperrsymbol; der Zugriff auf das Guthaben war blockiert.

„Und was unser Ferienhaus betrifft …“ Ich erhob mich langsam aus dem Sessel. Keine Eile, keine Aufregung, keine Unsicherheit. Mit einer kurzen Handbewegung deutete ich in Richtung Flur. „Morgen früh reiche ich offiziell die Scheidung ein. Danach wird das gemeinsame Vermögen nach den gesetzlichen Regeln auseinandergesetzt. Selbstverständlich kannst du versuchen, die Hälfte des Hauses geltend zu machen, Markus. Nur wird das Gericht deine Forderung mit deiner Schuld mir gegenüber verrechnen. Deine Beteiligung an der Immobilie geht dann zur Tilgung des Kredits auf mich über. Und jetzt packst du deine restlichen Sachen. Genauer gesagt: Du musst nur noch deine Taschen nehmen. Sie stehen bereits fertig in der Garderobe. Diese Wohnung gehört mir. Ich erwarte, dass ihr sie sofort verlasst.“