Marlene trat vorsichtig näher an die Küchentür und sah in die erstaunten Gesichter der Anwesenden. Maximilian wollte offenbar etwas erwidern, vielleicht Hilfe anbieten oder nachfragen, was los sei. Doch Alexander blieb freundlich und zugleich unbeirrbar. Mit ruhigen Worten begleitete er einen Gast nach dem anderen zur Tür, bedankte sich für den Besuch und entschuldigte sich für das abrupte Ende der Feier. Freunde und Kollegen, die dem Hausherrn vertrauten, standen ohne lange Nachfragen auf, verabschiedeten sich herzlich und wünschten ihm gute Besserung.

Stefanie lief währenddessen unruhig zwischen Wohnzimmer und Flur hin und her. Sie versuchte, die peinliche Situation irgendwie abzufedern, murmelte, ihr Sohn habe sich wohl überarbeitet, es sei sicher nichts Ernstes, morgen gehe es ihm bestimmt wieder besser. Immer wieder warf sie Alexander angespannte Blicke zu. Doch er blieb vollkommen unerschütterlich und führte die Gäste weiter hinaus.

Als schließlich auch der letzte Besucher gegangen war und die Wohnungstür ins Schloss fiel, senkte sich eine schwere, drückende Stille über die Räume.

Stefanie wandte sich zu ihrem Sohn um. Die freundliche Maske der aufmerksamen Gastgeberin verschwand in einem einzigen Augenblick aus ihrem Gesicht.

„Alexander, was soll das?“, fuhr sie ihn an. „Begreifst du überhaupt, wen du da gerade hinauskomplimentiert hast? Das war Maximilian! Von ihm kann deine Zukunft abhängen! Hast du eine Ahnung, was es mich gekostet hat, ihn herzubitten und überhaupt dazu zu bringen, heute zu kommen?“

„Mama.“ Alexander sprach leise, doch in seiner Stimme lag eine Härte wie Stahl. Stefanie verstummte unwillkürlich. „Ich habe dich nicht darum gebeten, jemanden aus meiner Firma einzuladen. Ich habe dir schon unzählige Male gesagt, dass ich mich um meine Laufbahn selbst kümmere. Ich brauche keine Beziehungen, die du für mich einfädelst, und ich brauche keine Leute, die du ohne meine Zustimmung zu meinem Geburtstag mitbringst.“

„Ich wollte doch nur dir helfen!“, rief sie und warf die Hände in die Luft. „Ich habe das alles nur zu deinem Besten getan!“

„Zu meinem Besten wäre es gewesen, wenn du meine Frau nicht auf meiner eigenen Feier erniedrigt hättest“, schnitt Alexander ihr scharf das Wort ab.

Stefanie erstarrte für einen Moment. Dann glitt ihr Blick hastig zur Küche, wo Marlene stand und jedes einzelne Wort mit anhörte.

„Was hat sie dir denn erzählt?“, fragte die Schwiegermutter gereizt. „Ich habe sie lediglich gebeten, in der Küche ein wenig mit anzupacken. Mehr war da nicht.“

„Du hast ihr gesagt, sie habe am Tisch nichts verloren“, erwiderte Alexander, und seine Stimme wurde kälter. „Du hast gesagt, sie sehe aus wie ein provinzielles Bauernmädchen und störe anständige Menschen beim Feiern. Willst du das etwa abstreiten?“

Stefanie stockte. Für einen Augenblick fand sie keine Antwort, keine passende Ausrede, keinen Tonfall, mit dem sie die Sache hätte herunterspielen können. Sie begriff, dass Alexander es ernst meinte, und dass weder ein Scherz noch ein beiläufiges Abwinken diesmal funktionieren würden.