Nach dem Essen zogen Andrea und Raphael ins Wohnzimmer um, wo sie den Fernseher einschalteten. In der Küche blieb Sebastian zurück. Er trat hinter Emilia, legte vorsichtig die Arme um sie und zog sie an sich.
„Verzeih mir wegen gestern“, sagte er gedämpft. „Ich habe mich benommen wie ein kompletter Idiot.“
„Ja“, antwortete Emilia und nickte. Doch in ihrer Stimme lag keine Härte mehr. „Aber ich verstehe, warum. Du hattest Angst um deine Eltern. Das ist menschlich.“
„Ich liebe dich“, sagte Sebastian. „Und ich hätte mich niemals wirklich von dir getrennt. Ich habe das nur gesagt, weil ich wütend und überfordert war.“
„Ich weiß.“ Emilia lehnte den Kopf an seine Schulter. „Aber bitte tu so etwas nie wieder. Wir sind ein Paar. Wir treffen Entscheidungen zusammen.“
„Versprochen.“ Sebastian zog sie fester an sich. „Keine Drohungen mehr. Nie wieder.“
Aus dem Wohnzimmer drang Andreas Stimme herüber:
„Kinder, kommt ihr? Im Fernsehen läuft gerade ein richtig guter Film!“
Emilia und Sebastian sahen einander an — und plötzlich mussten beide lachen. Was auch immer noch auf sie zukommen mochte, sie waren eine Familie. Mit allen Reibungen, Sorgen, Missverständnissen und schwierigen Gesprächen. Entscheidend war, dass sie zusammenhielten und bereit waren, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
„Komm“, sagte Emilia und nahm Sebastians Hand. „Lassen wir deine Eltern nicht warten.“
Sie gingen ins Wohnzimmer, wo Andrea Friedrich und Raphael Stein es sich bereits auf dem Sofa bequem gemacht hatten. Andrea rückte ein Stück zur Seite und klopfte auf den freien Platz neben sich.
„Setzt euch zu uns. Der Film fängt gerade erst an.“
Emilia ließ sich neben ihrer Schwiegermutter nieder und spürte eine unerwartete Ruhe in sich aufsteigen. Vielleicht würden diese zwei Wochen unter einem Dach gar nicht so furchtbar werden. Vielleicht konnten sie sogar helfen, einander besser zu verstehen und näher zusammenzurücken. Denn Familie bestand nicht nur aus Mann und Frau. Sie war eine ganze kleine Welt — und in ihr konnte für jeden ein Platz gefunden werden.