Das war ihr Lieblingsrefrain. Und ich hatte lange genug auf den passenden Moment gewartet, um diese Leier endgültig abzustellen.

— Bleiben wir bitte bei den Tatsachen, — sagte ich und lehnte mich langsam zurück. In mir war eine Ruhe, die aus völliger Gewissheit kam.

— Den Kredit haben Sie vor drei Jahren aufgenommen, damit Hannah Hartmann ihren Schönheitssalon eröffnen konnte. Jonas hatte mit diesem Unternehmen nie das Geringste zu tun. Wir haben nur deshalb zugestimmt, Ihnen vorübergehend bei den Monatsraten zu helfen, weil Hannah versprochen hat, nach sechs Monaten Gewinn zu machen und die Verbindlichkeit selbst zu übernehmen.

Da mischte sich aus dem Hintergrund eine zweite Stimme ein. Offenbar saß Stefanie Peters gerade bei ihrer Tochter im Salon.

— Marie Weiß, ein Geschäft braucht nun mal ständig Investitionen! — rief Hannah, und in ihrem Ton lag diese berechnende Kränkung eines Menschen, der sich daran gewöhnt hat, auf Kosten anderer zu leben.

— Ich musste neue Geräte anschaffen! Jonas hat Mama doch zugesagt, sie zu unterstützen. Ihr seid schließlich Familie! Was ist daran so schwer? Bei Jonas werden doch jeden Tag Lastwagen voller Rohre entladen!

— Dein Geschäft, Hannah, braucht vor allem eines: dass mein Mann zuverlässig dafür bezahlt, — erwiderte ich ruhig.

— Und jetzt zurück zu den Fakten. Frau Peters, im August haben Sie Ihr Ferienhaus in Feldafing verkauft. Für fünfunddreißigtausend Euro. Sie haben Jonas hoch und heilig versprochen, mit diesem Geld den elenden Kredit vollständig abzulösen. Wo ist das Geld geblieben?

— Mein Ferienhaus geht nur mich etwas an! — schnitt meine Schwiegermutter mir das Wort ab und zog sich sofort in ihre Abwehrstellung zurück.

— Hannah brauchte ein neues Auto. Vor Kundinnen muss sie schließlich seriös auftreten, das gehört zu ihrem Status! Was spielt es für eine Rolle, wofür der Erlös aus meinem Ferienhaus verwendet wurde?

— Ich bin seine Mutter! Ich habe euch großgezogen, und jetzt soll ich mich vor meiner Schwiegertochter wegen jedes einzelnen Cents rechtfertigen?

Ich ließ mir ein kurzes, trockenes Lachen nicht verkneifen.

— Wegen eines Cents sicher nicht. Aber wegen einer zweckgebundenen Überweisung über dreitausend Euro werden Sie sich erklären müssen. Selbst das Finanzamt fragt höflicher nach.

— Welche dreitausend Euro denn bitte? — Stefanie Peters versuchte, auf ahnungslos zu machen, doch ihre Stimme verriet sie mit einem leichten Zittern.

— Genau die Summe, die Jonas Ihnen im Dezember überwiesen hat. Für eine vorzeitige Teiltilgung der Hauptschuld. Damit die monatliche Belastung endlich sinkt.

Ich klappte am Laptop die entsprechende Datei auf.

— Ihre Kreditdaten habe ich nicht über dienstliche Systeme geprüft, keine Sorge. Ärger mit der Sicherheitsabteilung brauche ich wirklich nicht. Ich habe mir nur den Kontoauszug angesehen, den Sie mir letzte Woche selbst geschickt haben, als Sie angeblich Hilfe mit der App brauchten. Die Restschuld ist um keinen einzigen Euro gesunken. Diese dreitausend Euro sind nie in den Kredit geflossen. Also: Wohin ist das Geld gegangen?