„Ich erhebe keinerlei Anspruch auf Ihr Haus“, antwortete ich gleichmäßig, fast freundlich, und schob den Zettel zurück auf den Tisch. „Im Gegenteil, ich freue mich wirklich für Stefan Friedrich. Aber fremdes Eigentum werde ich nicht kostenlos für die Saison herrichten. Mein Vorrat an unbezahlter familiärer Putzbereitschaft ist aufgebraucht.“

Maria Friedrich schnappte hörbar nach Luft.

Dann wanderte ihr Blick zu Lina Huber, als suche sie dort Hilfe, und für einen Moment sah es so aus, als wolle sie die Liste kurzerhand an sie weiterreichen. Doch Lina kam ihr zuvor. Sie tupfte sich elegant mit der Serviette die Mundwinkel ab, hob den Blick und sah meine Schwiegermutter so kalt an, dass am Tisch augenblicklich jedes Geräusch verstummte.

„Denken Sie nicht einmal daran, Maria Friedrich“, sagte Lina ruhig, aber mit einer Schärfe, die niemand überhören konnte. „Sie nennen mich nicht deshalb anständig und liebenswert, weil ich Ihnen dauernd helfe. Ich habe bei Ihnen noch nie auch nur einen Finger krumm gemacht. Sie wissen nur ganz genau: Bei mir können Sie sich nicht bequem niederlassen und dann Befehle verteilen. Das funktioniert nicht.“

Sie nahm einen kleinen Schluck Wasser, stellte das Glas wieder ab und fuhr noch kühler fort:

„Johannas Gutmütigkeit haben Sie dagegen jahrelang mit kostenloser Hausarbeit verwechselt. Das Wochenendhaus soll Stefan bekommen? Wunderbar. Dann soll Stefan sich Gummihandschuhe überziehen, die Böden schrubben, die Gewächshäuser abdecken und auf seinem Dachboden jedes einzelne alte Matratzenmonster persönlich begrüßen. Auf ein Erbe, das vorher von einer anderen Frau abgearbeitet werden muss, verzichte ich dankend.“

Ich griff in meine Handtasche und zog den Schlüsselbund heraus. Den Schlüssel zum Wochenendhaus löste ich vom Ring und legte ihn vor Stefan auf den Tisch. Den Wohnungsschlüssel meiner Schwiegermutter schob ich zu Markus hinüber.

Das helle Klirren des Metalls schnitt durch die Stille wie das Zuschnappen einer Falle.

„Dann halten wir die neuen Regeln jetzt fest“, sagte ich leise. Trotzdem hörten plötzlich alle auf zu kauen. „Krankenhaus, Medikamente, ein echter Notfall – selbstverständlich helfen wir. Aber Ihre alltäglichen Angelegenheiten, Maria Friedrich, teilen Ihre Söhne künftig unter sich auf. Und das Wochenendhaus geht nach Ihrer Entscheidung vollständig an Stefan. Mit Dachboden, Gewächshäusern, Abwassertank und den Grillabenden für seine Freunde.“

Ich deutete auf Markus’ Schlüsselbund.

„Der Ersatzschlüssel zu Ihrer Wohnung liegt ab sofort bei Ihren Söhnen. Wenn etwas Dringendes passiert, können sie aufschließen. In meiner Hand verwandeln sich Schlüssel nämlich erstaunlich schnell in einen unbefristeten Wartungsvertrag.“

„Um Mamas notwendige Dinge kümmern Stefan und ich uns abwechselnd“, bestätigte Markus und stützte sich schwer mit beiden Händen auf die Tischkante. „Und das Haus gehört dir, Stefan. Also bringst du es auch in Ordnung. Johanna hat damit nichts mehr zu tun.“

Am Samstag fuhr Markus genau ein einziges Mal mit seinem Bruder hinaus: Er übergab ihm die Schlüssel, zeigte ihm, wo die Werkzeuge lagen, und half noch, den ersten wuchtigen alten DDR-Schrank hinauszuschleppen. Nach zwei Stunden fuhr er wieder. Beim Abschied erinnerte er Stefan daran, dass Haus und Instandhaltung ab jetzt als Gesamtpaket dem künftigen Besitzer zufielen.