„Was soll das sein?“

„Meine Kündigung. Auf eigenen Wunsch. Mit zwei Wochen Frist.“

Er drehte das Blatt zwischen den Fingern. Sein Ring schabte leise über die Papierkante.

„Hannah. Jetzt benehmen Sie sich doch nicht wie ein trotziges Kind. Wohin wollen Sie denn gehen?“

„In ein anderes Unternehmen.“

„In welches?“ Seine Augen wurden schmal.

„Das spielt keine Rolle.“

„Natürlich spielt es eine Rolle. Sie sind achtundvierzig. Draußen stehen junge Leute mit leuchtenden Augen Schlange. Solche Bedingungen wie hier bekommen Sie nirgendwo.“

Ich sah ihn an. Den Ring. Das Hemd, das ihm wie immer an den Schultern etwas zu eng saß. Das Foto an der Wand hinter ihm, auf dem er bei der Eröffnung der Filiale irgendeinem Funktionär die Hand schüttelte. Acht Jahre lang hatte ich dieses Bild angesehen. Jeden Tag.

„Herr Lehmann. Vier Jahre ohne Gehaltserhöhung. Acht abgelehnte Anträge. Ein versprochener Bonus, der nie ausgezahlt wurde. Eine Präsentation, in der mein Name nicht vorkam. Die ganze Zeit habe ich gearbeitet. Still. Zuverlässig. Gut. Sie wissen das.“

Er sagte nichts. Seine Finger trommelten auf die Tischplatte, schnell und nervös.

„Ich verlange nichts mehr“, fuhr ich fort. „Ich gehe einfach.“

„Also gut.“ Er lehnte sich zurück. „Denken Sie zwei Tage darüber nach. Vielleicht können wir Ihr Gehalt anpassen. Um fünfzig Euro könnte ich hochgehen.“

Fünfzig Euro. Nach vier Jahren.

Ich wusste bereits, dass Renova-Trade mir 1.200 Euro plus Provision zahlen würde. Aber ich hatte nicht vor, ihm das zu sagen.

„Die Kündigung liegt auf Ihrem Tisch“, sagte ich.

Dann ging ich hinaus.

Die zwei Wochen Kündigungsfrist zogen sich quälend langsam hin. Ich übergab meine Aufgaben. Nicht an Mila Engel; sie kannte nicht einmal die Hälfte der Feinheiten und zeigte auch keinerlei Wunsch, sich einzuarbeiten.

Deshalb schrieb ich alles für denjenigen auf, der nach mir kommen würde. Zu jedem einzelnen Kunden legte ich eine genaue Anleitung an — am Ende waren es dreiundzwanzig Seiten. Darin standen Ansprechpartner, Besonderheiten, Vorlieben, heikle Punkte. Wer lieber angerufen wurde und wer ausschließlich per E-Mail kommunizieren wollte. Wer Pünktlichkeit als Zeichen von Respekt verstand und wer selbst grundsätzlich eine halbe Stunde zu spät erschien, ohne auch nur daran zu denken, sich zu entschuldigen.

Christian Lehmann verlor über meine Kündigung kein weiteres Wort. Er benahm sich, als sei nichts geschehen. Bei den kurzen Morgenbesprechungen sprach er mit allen — nur nicht mit mir. Als wäre mein Platz bereits leer.

Die Kollegen warfen mir verstohlene Blicke zu, sagten jedoch nichts. Nur die junge Frau aus der Buchhaltung, ausgerechnet die, die mir damals versehentlich die Gehaltsliste geschickt hatte, fing mich einmal auf dem Flur ab.

„Sie machen das Richtige, Frau Lang“, sagte sie leise.

An meinem letzten Arbeitstag war ich schon um acht im Büro. Es roch nach Automatenkaffee und dem staubigen Teppichboden, der trotz regelmäßiger Reinigung immer diesen trockenen, abgestandenen Geruch behielt. Die Morgensonne fiel schräg durch die Fenster und zeichnete einen hellen Streifen auf den Boden. In diesem Licht tanzten winzige Staubkörnchen.