— Natürlich. Sie brauchen ja immer ein Druckmittel.
— Nein, widersprach Lukas. Ich brauchte eine Bestätigung.
— Wofür?
Lukas’ Augen verengten sich.
— Dafür, dass du wirklich so armselig bist, wie du wirkst.
Alexander machte einen Schritt nach vorn, hielt aber rechtzeitig inne.
Aus dem Festsaal eilte Laura herbei und raffte dabei den Saum ihres Kleides.
— Was passiert hier? verlangte sie zu wissen.
Alexander fuhr herum.
— Nichts.
Doch Laura hatte sein Gesicht bereits gesehen. Und Hannahs. Und Lukas’.
Ihre Stimme kippte.
— Alexander?
Lukas griff in die Innentasche seines Jacketts und zog einen schmalen Umschlag hervor. Er reichte ihn Laura. Einen Moment lang zögerte sie, bevor sie ihn nahm.
— Was ist das?
— Kopien von Unterlagen, die Ihr Mann unterschrieben hat. Sie sollten sie vor Ihrer Hochzeitsreise lesen.
Alexander fuhr sie an:
— Fass das nicht an!
Laura öffnete den Umschlag. Ihre Augen flogen über die Seiten. Zuerst zeigte ihr Gesicht Unverständnis. Dann Schock. Dann Angst.
— Warum steht hier mein Name? hauchte sie.
Alexander wurde bleich.
Hannah runzelte die Stirn.
— Laura?
Laura hob langsam den Kopf.
— Er hat mich letzte Woche irgendein Papier unterschreiben lassen. Er sagte, es gehe um die Wohnung. Um Steuern.
Lukas’ Miene blieb unverändert.
— Es war eine persönliche Bürgschaft für seine Geschäftsschulden.
Die Musik aus dem Saal klang plötzlich sehr weit entfernt.
Laura starrte Alexander an.
— Schulden?
— Laura, hör mir zu…
— Wie viel?
Alexander sagte nichts. Lukas antwortete an seiner Stelle.
— Genug, um sämtliche Hochzeitsgeschenke wie einen Tropfen auf heißem Stein wirken zu lassen.
Lauras Gesicht verzog sich. Nicht aus gebrochenem Herzen. Aus Demütigung. Aus genau jener Demütigung, die sie Hannah einst hatte schlucken lassen.
— Du hast mir gesagt, alles sei unter Kontrolle, flüsterte Laura.
— Das wird es auch sein, rechtfertigte sich Alexander. Ich brauchte nur Zeit.
— Du hast mich geheiratet, um Zeit zu gewinnen?
Er streckte die Hand nach ihr aus.
— Nein. Ich liebe dich.
Hannah hätte beinahe gelacht, so vertraut klang diese Lüge.
Laura wich einen Schritt zurück. Zum ersten Mal sah sie Hannah nicht triumphierend an, nicht spöttisch, sondern mit einem Aufflackern entsetzlicher Erkenntnis. Als begriffe sie endlich, dass auf dem Preis, den sie gestohlen hatte, noch die Bissspuren einer anderen lagen.
Hinter ihnen erschien Doña Maria, angelockt von Instinkt oder Klatsch.
— Was geht hier vor? zischte sie.
Laura hob mit zitternder Hand die Papiere.
— Wusstest du es?
Ihre Mutter blinzelte.
— Was soll ich gewusst haben?
— Dass Alexander Schulden hat.
Doña Maria wandte sich ruckartig Alexander zu. Er antwortete nicht sofort. Und genau das war Antwort genug.
Auf der Terrasse breitete sich eine Stille aus, die grausamer war als jedes Geschrei.
In diesem Moment vibrierte Lukas’ Telefon. Er sah auf das Display.
Zum ersten Mal an diesem Abend veränderte sich sein Gesicht. Nur kaum merklich, doch Hannah bemerkte es. Ein Schatten huschte über seine Züge.
Er trat ein Stück zur Seite und nahm den Anruf leise entgegen.