— Hannah, — sagte sie mit einem viel zu hellen Lächeln. — Was für eine Überraschung.
— Du hast mich eingeladen.
— Ja, aber… — Lauras Blick glitt über das rote Kleid. — Diese Farbe ist ziemlich gewagt für eine Familienhochzeit.
Hannah lächelte.
— Ungefähr so gewagt wie die Ehe mit dem Verlobten der eigenen Schwester.
Eine Tante in der Nähe verschluckte sich an ihrem Getränk.
In Lauras Augen blitzte Wut auf.
Alexander trat neben sie. Sein Lächeln war schmal und angespannt.
— Hannah, — sagte er. — Du siehst… anders aus.
— Ich habe endlich einen Spiegel gefunden, den mir keine Feiglinge vorhalten.
Sein Kiefer spannte sich.
Dann wandte er sich Lukas zu.
— Herr Alcasar. Ich wusste nicht, dass Sie Hannah kennen.
— Sie wissen eine ganze Menge nicht, — erwiderte Lukas.
Alexander versteifte sich.
— Wie bitte?
Lukas beugte sich nur minimal vor.
— Ich habe mich sehr deutlich ausgedrückt.
Die Hochzeitsplanerin erschien; unter ihrem Headset glänzte Schweiß an ihrer Schläfe.
— Die Zeremonie beginnt in wenigen Minuten. Bitte nehmen Sie alle Ihre Plätze ein.
Hannah erwartete, Lukas würde ihren Arm loslassen und sich in irgendeine schattige Ecke zurückziehen.
Stattdessen führte er sie in die zweite Reihe.
In die Reihe der Familie.
Maria sah aus, als hätte jemand ihr den Boden unter den Füßen weggezogen.
Hannah setzte sich neben ihre Mutter, Lukas nahm auf ihrer anderen Seite Platz.
Maria beugte sich zu ihr hinüber und flüsterte:
— Blamier die Familie nicht.
Hannah sah nach vorn zu Laura, die ihren Brautstrauß eindeutig viel zu fest umklammert hielt.
— Komisch, — flüsterte Hannah zurück. — Ich dachte immer, genau das sei unsere Familientradition.
Der Priester begann mit der Zeremonie.
Laura und Alexander standen unter den Blumen, Hand in Hand, beide mit einem Lächeln, das zu straff saß, um echt zu sein.
Alles wirkte normal.
Beinahe.
Bis der Priester sagte: „Wenn jemand einen Grund kennt, weshalb diese beiden nicht den Bund der Ehe eingehen sollten…“
Ein nervöses Kichern lief durch die Reihen.
Hannah spürte, wie Lukas sich neben ihr leicht bewegte.
Ihr Atem stockte.
Er stand nicht auf.
Er sagte kein Wort.
Stattdessen klingelte Alexanders Telefon.
Laut.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Alexander versuchte, es stummzuschalten, doch seine Hände zitterten.
Dann klingelte ein weiteres Telefon.
Dann noch eines.
Dann zwanzig gleichzeitig.
Die Gäste senkten die Köpfe und starrten auf ihre Bildschirme.
Gesichter veränderten sich.
Verwirrung.
Schock.
Begreifen.
Entsetzen.
Laura fuhr herum.
— Was passiert hier?
Alexander starrte auf sein eigenes Handy.
Hannah konnte die Nachricht in seinen Augen gespiegelt sehen.
An jeden Gast war eine Datei verschickt worden.
Der Betreff lautete:
„BEVOR SIE AUF DIE HOCHZEIT DER LEDESMAS ANSTOSSEN, SOLLTEN SIE WISSEN, AUF WEN SIE IHR GLAS ERHEBEN.“
Alexander sah Lukas an.
Lukas rührte sich nicht.
Er sagte nur:
— Die Zeremonie kann jetzt fortgesetzt werden.
Teil 5 — Das Lächeln des Bräutigams erlosch noch vor dem ersten Eheversprechen
Das erste Video öffnete sich auf dem Handy eines Gastes in der dritten Reihe.
Alexanders Stimme füllte den Garten.