— Laura ist nützlich, — sagte er. — Ihre Familie glaubt alles. Sobald die Hochzeit durch ist, wird es leichter, Druck auf die Immobilien der Salgados auszuüben. Ihr Vater vertraut mir.

Ein gemeinsames, entsetztes Einatmen ging durch die Menge.

Lauras Gesicht wurde weiß wie Papier.

— Alexander? — flüsterte sie.

Das Video lief weiter.

Eine andere Männerstimme fragte: „Und Hannah?“

Alexander lachte.

Dieses Lachen schnitt Hannah durch die Brust, als hätte es die Zeit durchbrochen, nur um sie erneut zu treffen.

— Hannah war zu klug. Zu kompliziert. Sie stellte Fragen zu den Konten. Laura dagegen will Kleider, Aufmerksamkeit und Applaus. Mit ihr ist es wesentlich einfacher.

Laura wich schwankend zurück.

Der Strauß glitt ihr aus den Händen.

Maria presste eine Hand gegen ihre Brust.

— Nein…

Eine weitere Datei wurde geöffnet.

Eingescannte Verträge.

Banküberweisungen.

Fotos von Alexander mit Männern, die Hannah aus Gesellschaftsspalten und Artikeln über Finanzskandale kannte.

Dann begann eine Tonaufnahme.

Lauras Stimme.

Hannah erstarrte.

— Ich weiß, dass Hannah am Boden zerstört sein wird, — sagte Laura in der Aufnahme. — Aber ehrlich gesagt hätte sie sich eben mehr Mühe geben müssen. Alexander braucht jemanden, den man gern ansieht. Außerdem sagt Mama immer, Hannah landet sowieso immer auf den Füßen.

Über dem Garten lag plötzlich eine Stille wie in einer Gruft.

Hannah sah ihre Schwester an.

Monatelang hatte sie Laura für impulsiv gehalten. Verwöhnt. Vielleicht schwach.

Doch diese Stimme — beiläufig, fröhlich, gleichgültig — verletzte sie tiefer als jede offene Beleidigung.

Laura schlug eine Hand vor den Mund.

— Das war privat!

Hannah stand auf.

Ihre Knie zitterten, aber ihre Stimme war klar.

— Meine Demütigung war auch privat. Trotzdem habt ihr sie vor allen ausgebreitet.

Alexander wandte sich den Gästen zu, nun sichtlich verzweifelt.

— Das ist Manipulation! Diese Dateien sind gefälscht. Herr Alcasar hat Feinde. Er benutzt diese Familie, um…

— Um was zu tun? — unterbrach Lukas ihn und erhob sich langsam. — Mich zu amüsieren?

Alexander schloss den Mund.

Lukas trat in den Gang zwischen den Stuhlreihen. Er sprach nicht lauter, und dennoch hörte ihn jeder.

— Vor sechs Monaten wandte sich Alexander Ledesma mit gefälschten Investitionsunterlagen an eines meiner Unternehmen. Er nutzte familiäre Verbindungen, gesellschaftliche Anlässe und romantische Beziehungen, um an vertrauliche Finanzinformationen zu gelangen.

Hannahs Blut schien in ihren Adern zu gefrieren.

Lukas sah sie an.

— Er verließ Hannah, weil sie Unstimmigkeiten bemerkte.

Plötzlich erinnerte Hannah sich an die langen Abende kurz vor der Trennung. An Alexanders Gereiztheit, wenn sie nach fehlenden Unterschriften fragte. An seine plötzliche Verschlossenheit. An seine spöttischen Bemerkungen, sobald sie darauf beharrte, dass die Zahlen nicht zusammenpassten.

Sie hatte geglaubt, sie sei ihm lästig gewesen.

Nein.

Sie war gefährlich gewesen.

Lukas fuhr fort:

— Er entschied sich für Laura, weil sie keine Fragen stellte.

Laura brach in Tränen aus, doch die Menge wurde dadurch nicht milder.