Alexanders Vater sprang wütend auf.
— Das ist Verleumdung!
Genau in diesem Augenblick traten zwei Beamte der Bundespolizei durch das Seitentor.
Alexanders Vater setzte sich sofort wieder.
Die Beamten gingen direkt auf Alexander zu.
Er wich einen Schritt zurück.
— Alexander Ledesma, — sagte einer von ihnen, — Sie kommen bitte mit uns.
Laura griff nach seinem Arm.
— Sag ihnen, dass es nicht wahr ist!
Alexander sah sie an.
Für eine Sekunde konnte Hannah beobachten, wie die Wahrheit ihm sämtliche Masken vom Gesicht riss.
In seinen Augen war keine Liebe. Kein Bedauern. Nur nackte Berechnung.
Dann riss er seinen Arm los.
— Fass mich nicht an, — fauchte er.
Laura taumelte zurück, als hätte er sie geschlagen.
Maria stieß einen kläglichen Laut aus.
Alexander wandte sich Hannah zu.
— Glaubst du, das macht dich besser? Glaubst du, nur weil du neben ihm stehst, ändert das, wer du bist?
Lukas machte einen Schritt nach vorn, doch Hannah hob die Hand.
— Nein. Lass ihn ausreden. Ich möchte, dass ihn alle gut hören.
Alexander stieß ein hässliches, hysterisches Lachen aus.
— Du warst immer zu… zu schwer. Zu empfindlich. Zu moralisch. Zu stolz. Ich habe dir sogar einen Gefallen getan!
Hannah ging den Mittelgang entlang auf ihn zu.
Jeder Blick folgte ihr.
Sie blieb so nah vor ihm stehen, dass sie die Schweißperlen über seiner Oberlippe sehen konnte.
— Nein, Alexander, — sagte sie leise. — Du hast meine Sanftheit für Schwäche gehalten, nur weil dich nie jemand gezwungen hat, den Unterschied zu lernen.
Dann öffnete sie ihre Handtasche und holte den alten Verlobungsring hervor.
Sie hatte ihn an diesem Tag mitgenommen, ohne selbst zu wissen, warum.
Nun legte sie ihn in seine Hand.
— Für die Beweise, — sagte sie. — Du hast ihn doch mit gestohlenem Geld gekauft, oder?
Alexanders Gesicht verzerrte sich.
Einer der Beamten nahm den Ring an sich und ließ ihn in einen Beweisbeutel gleiten.
Unter den Gästen brach ein aufgeregtes Durcheinander aus.
Laura sank schluchzend auf einen Stuhl. Maria stürzte zu ihr, doch Hannah blieb stehen.
Zum ersten Mal in ihrem Leben rannte sie nicht los, um Menschen zu trösten, die zuerst das Messer geschärft und sich danach über das Blut beklagt hatten.
Als Alexander abgeführt wurde, drehte er sich noch einmal um.
Nicht zu Laura.
Zu Lukas.
— Das wirst du bereuen, — stieß er hervor.
Lukas’ Gesichtsausdruck blieb unverändert.
— Ich bezweifle, dass ich mich überhaupt daran erinnern werde.
Und so verschwand Alexander Ledesma, der „goldene Bräutigam des Jahres“, in Handschellen hinter dem Tor, ohne je dazu gekommen zu sein, sein Jawort zu sprechen.
Hannah stand unter dem zerstörten Blumenbogen, umgeben von entsetzten Verwandten, flüsternden Gästen und zerbrochenen Illusionen.
Eigentlich hätte sie Triumph empfinden müssen.
Stattdessen war da nur Leere.
Lauras Hochzeit war zerstört.
Alexander war entlarvt.
Die Grausamkeit ihrer Familie lag offen vor allen.
Doch der Schmerz in ihrem Inneren war nicht verschwunden.
Lukas trat zu ihr.
— Das haben Sie hervorragend gemacht, — sagte er.
Hannah sah den leeren Gang hinunter.