— Dann rückt ihr eben zusammen!
Endlich kam Alexander auf die Veranda, setzte sich hin und beugte sich sofort über seinen Teller. Die Angel lehnte er behutsam an die Wand, beinahe so vorsichtig, als wäre sie ein Kind.
Am Abend, nachdem sie Maria Winter zum Zug gebracht hatten, begann Alexander das Gespräch. Emilia hörte sofort diese samtige Vorsicht in seiner Stimme, mit der man um geliehenes Geld bittet, ohne je an Rückzahlung zu denken.
— Emilia. Reg dich bitte nicht gleich auf. Ich habe mit meiner Mutter gesprochen. Und mit Hannah Hermann.
— Und?
Alexander räusperte sich, als müsse er erst einen Kloß im Hals loswerden.
— Es geht um Folgendes. Jonas Friedrich nehmen wir ja für den Sommer, das hatten wir besprochen. Aber Hannah Hermann… sie ist mit den dreien allein, das ist nicht leicht. Die zwei anderen sind noch von Benedikt Wolf, beide klein. Fünf und sieben.
— Aha.
— Na ja, und meiner Mutter kam da so ein Gedanke. Warum sollen die Kinder in der stickigen Stadt sitzen? Vielleicht könnten alle drei hierher ins Ferienhaus. Frische Luft, Wasser in der Nähe. Hannah könnte mal durchatmen.
Emilia legte das Handtuch, das sie gerade gefaltet hatte, langsam beiseite.
— Alexander. Die beiden Kinder von Hannah Hermann und ihrem zweiten Mann. Was genau sind die für uns?
— Na ja… für Jonas sind es Brüder. Also irgendwie Familie.
— Und für Benedikt Wolf?
— Seine Söhne.
— Eben. Benedikt Wolfs Söhne. Sie haben einen Vater und eine Mutter. Weshalb sollen sie den Sommer in einem Haus verbringen, das ich bezahle?
Alexander rückte unruhig auf seinem Stuhl hin und her.
— Emilia, musst du denn sofort alles aufrechnen? Es sind Kinder. Außerdem sagt Mutter, Finn Mayer täte Gesellschaft gut. Er wächst sonst so allein auf.
Und dann zog Alexander jenes Argument hervor, das er immer irgendwo im Ärmel versteckt hielt, wenn er glaubte, anders nicht weiterzukommen.
— Was Finn betrifft… — Er kratzte sich verlegen am Nacken. — Mutter meinte, er könnte doch für ein, zwei Wochen zu deiner Mutter. Nur vorübergehend. Dann hätten wir das Zimmer für Jonas frei. Jonas ist schließlich Gast, da kann man ihn schlecht auf eine Klappliege legen.
Emilia sah ihren Mann lange an.
Finn Mayer war ihr Sohn aus erster Ehe. Sieben Jahre alt. In diesem Ferienhaus hatte er jeden Sommer seines Lebens verbracht. Er kannte jeden Apfelbaum, jede knarrende Stufe, jede Ecke im Garten. Und nun sollte ausgerechnet ihr eigenes Kind zur Großmutter geschickt werden, damit ein Bett für einen Gast frei wurde.
— Das heißt also, mein Sohn fährt zu meiner Mutter, — sagte Emilia mit völlig ruhiger Stimme. — Und drei fremde Kinder ziehen hier ein. Habe ich Maria Winters Vorschlag richtig verstanden?
— Warum sagst du das so? Sie sind doch nicht fremd. Und überhaupt, meine Mutter hat Erfahrung, sie weiß…
— Was weiß sie?
Alexander schwieg.
Emilia erinnerte sich sehr gut daran, wie Maria Winter bei der Hochzeit mit zusammengepressten Lippen zu irgendeiner Verwandten gesagt hatte: „Die Geschiedene bringt gleich ihr Anhängsel mit.“ Das Anhängsel war Finn gewesen. Jonas Friedrich nannte sie dagegen stets „unseren Jungen“. Finn blieb für sie „ihr Kind“.